Gewalt gegen Autos, ein seltsames Tabu

Jeden Monat fallen Dutzende Pkw Brandstiftungen zum Opfer. Über die Täter, und welche Strafen sie erhalten, wird meistens wenig bekannt. Besonders absurd ist der Fall aus Wuppertal, bei dem es sogar einen Todesfall zu beklagen gibt.

Gewalt gegen Autos, ein seltsames Tabu

Jeden Monat fallen Dutzende Pkw Brandstiftungen zum Opfer. Über die Täter, und welche Strafen sie erhalten, wird meistens wenig bekannt. Besonders absurd ist der Fall aus Wuppertal, bei dem es sogar einen Todesfall zu beklagen gibt.

Wenn es etwas gibt, das in Deutschland tadellos funktioniert, dann ist es die Erfassung statistischer Daten. Wir wissen genau, wie groß die Versorgungsdichte mit Tiefkühltruhen ist, wie viele Tonnen brauchbarer Lebensmittel im Müll landen und wie viel Geld „der Deutsche“ jedes Jahr für Körperpflege ausgibt.

Die Statistik ist ein Meister aus Deutschland und das Statistische Jahrbuch der Bundesrepublik ein Nachschlagewerk von über 700 eng bedruckten Seiten, das jeder haben sollte, der ein Interesse „am gesellschaftlichen Leben in Zahlen“ hat.

Daneben und darüber hinaus gibt es auch lokale Erhebungen, die für eine „faktenbasierte Diskussion“ unentbehrlich sind. Zum Beispiel, wie viele Pkw in Berlin jeden Monat „in Flammen“ aufgehen, wobei es sich mitnichten um Fälle von Selbstentzündung handelt.

Im Oktober dieses Jahres fielen 41 Fahrzeuge „Brandstiftungen zum Opfer“, in den ersten zehn Monaten des Jahres waren es insgesamt 450. In einigen Fällen gab es „Bekennerschreiben“, die für eine politische Motivation sprachen, in anderen war es „blinde Zerstörungswut“, die sich gegen Autos richtete.

Eine klimaneutrale Methode des Protests

Der jüngste Tatverdächtige, der festgenommen werden konnte, war erst 14 Jahre alt, also zu jung, um einen Führerschein machen zu können. „Hinweise auf die Täter blieben in vielen Fällen Mangelware“, heißt es im Polizeibericht. Und: „Sofern es überhaupt Zeugen gab, sprachen diese in der Regel von dunkel gekleideten Personen.“

Was im Polizeibericht nicht steht: In wie vielen Fällen es zu einer Anklage wegen Brandstiftung kam und wie viele Verfahren mit einer Verurteilung endeten. Denn das ist nicht mehr Aufgabe der Polizei, dafür ist die Justiz zuständig.

Es wäre gemein zu behaupten, Berlin habe sich mit dieser Situation abgefunden, wie mit den Zuständen rund um den Fernsehturm am Alexanderplatz oder mit den Zugausfällen bei der S-Bahn. Aber: Es ist, wie es ist. Vielleicht müsste mehr „Präventionsarbeit“ geleistet werden, so der Polizeibericht, indem die Feuerteufel darüber aufgeklärt werden, dass bei einer unkontrollierten Verbrennung umweltschädliche Gase emittiert werden.

So betrachtet, muss man den „Unbekannten“, die vor einer Woche in Neukölln im Laufe einer Nacht die Reifen von 33 Autos „unterschiedlicher Marken“ zerstochen haben, zugutehalten, dass sie eine klimaneutrale Methode des Protests gewählt haben. Der materielle Schaden hielt sich ebenfalls in Grenzen.

Möglicherweise wollte auch ein 25 Jahre alter Wuppertaler, der „in der jüngeren Vergangenheit durch Straftaten aufgefallen“ war, nur ein Zeichen setzen, als er „mit einem Hammer auf die Außenspiegel mehrerer geparkter Autos“ einschlug. Leider konnte er zu seinen Motiven nicht befragt werden, weil er bei dieser Aktion von der Polizei erschossen wurde.

Der Vorgang wird jetzt untersucht, es soll geklärt werden, ob „der Mann letztlich durch die Polizeischüsse starb oder es … eine Wechselwirkung mit einer anderen Ursache wie einer Vorerkrankung oder Drogen gab“. Das könnte bedeuten: Die Polizeikugel traf ihn, als er bereits tot war, gestorben an Herzversagen oder einer Überdosis.

Bleibt die Frage, wie man so einen Vorfall statistisch sicher einordnet. Wie wäre es unter „Sachbeschädigung mit Todesfolge“?


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