Uwe Steimle und der MDR - Hinter den Altar „gekackt“

Als Ossi-Versteher brachte es Uwe Steimle zum Aushängeschild des MDR. Doch jetzt hat der Sender das Aus für das Format „Steimles Welt“ verkündet.

Uwe Steimle und der MDR - Hinter den Altar „gekackt“

Als Ossi-Versteher brachte es Uwe Steimle zum Aushängeschild des MDR. Doch jetzt hat der Sender das Aus für das Format „Steimles Welt“ verkündet. Der Schauspieler und Kabarettist wähnt sich als Opfer der Zensur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aber ist er das wirklich?

Stellen Sie sich vor, Sie sind der Chef des MDR. Aus der rechten Zeitung Junge Freiheit  erfahren Sie, dass ausgerechnet einer Ihrer bei den Zuschauern beliebtesten Mitarbeiter eine Verschwörungstheorie verbreitet, die die Reichsbürger in die Welt gesetzt haben. Er behauptet, Deutschland sei kein souveräner Staat, sondern „Besatzungsgebiet der USA.“ Die Kanzlerin und Ihr Sender seien nur eine Marionette der USA.

Wie würden Sie reagieren?

Vor dieser Frage stand der MDR vor einem Jahr. Uwe Steimle hieß der Mitarbeiter, der gegen seinen eigenen Arbeitgeber geschossen hatte. Schauspieler, Kabarettist, Sachse. Für „Steimles Welt“ tuckert, pardon, tuckerte er seit 2013 mit einem Wartburg durch die mitteldeutsche Provinz, um mehr oder weniger skurrile Originale zu Hause zu besuchen. Denn dieses Format ist Geschichte. Gerade hat MDR-Programm-Direktor Wolf-Dieter Jacobi verkündet, die Sendung werde eingestellt. Aber warum erst jetzt?

Liebeserklärung an den Osten

Wäre der Sender konsequent gewesen, hätte er den Vertrag mit Steimle schon vor einem Jahr kündigen müssen. Das Bekenntnis zur Verfassung ist schließlich kein modisches Accessoire, das man an- und wieder ablegen kann wie eine Krawatte. Es ist unabdingbare Voraussetzung für alle, die für den Staat arbeiten – sei es als  Entertainer oder als Polizist. Zwar beteuert Steimle heute: „Ich bin ein Linker, den Sie nie dabei erwischen werden, wie er reaktionäres Gedankengut verbreitet oder sich auf die rechte Seite stellt.“ Doch der Satz in der Jungen Freiheit war kein Faux pas, er war ein Misstrauensvotum an die Demokratie und an seinen Arbeitgeber. Wer wollte ihm das Gegenteil  nach diesem Interview noch abnehmen?

Der MDR ließ Steimle damit durchkommen. „Steimles Welt“ war ein Roadmovie, eine Liebeserklärung an den Osten und an die Menschen, die dort lebten. Steimle war einer von ihnen. Er sprach aus, was viele dachten.  Dass „Syrer Forellen aus dem Bach geklaut“ oder Flüchtlinge „im Dom hinter den Altar gekackt“ hätten. Politisch korrekt war das nicht, aber in einem Sendegebiet, wo die AfD in Sachsen bei der Landtagswahl von 27,5 Prozent der Beitragszahler gewählt wurde, liebten ihn viele Menschen gerade dafür. Um sie nicht zu verprellen, schnitt der Sender solche Sätze nicht heraus. Was Steimle sagte, fiel unter die Meinungsfreiheit.

„Kraft durch Freunde“

Und die ist hierzulande ein hohes Gut, auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dürfte der Kabarettist Dieter Nuhr sonst im Ersten davor warnen, dass die Forderungen einer Greta Thunberg zur Katastrophe führen werden, „wahrscheinlich auch zu einem Dritten Weltkrieg?“ Hätte Jan Böhmermann im ZDF sonst seine Kritik an dem türkischen Präsidenten Erdogan als Ode an einen „Ziegenficker“ verkleiden dürfen? Meinungsfreiheit ist aber keine Narrenfreiheit. Die rote Grenze hatte Uwe Steimle mit dem Interview mit der Jungen Freiheit überschritten. Dass ihn der MDR nicht schon 2018 vor die Tür gesetzt hat, war ein Fehler. Denn ermutigt durch Beifall von der rechten Seite, fiel der Ossi-Versteher mit immer neuen Provokationen auf.

Er bekundete öffentlich seine Sympathie für die vom Verfassungsschutz beobachtete Pegida. Und an Pfingsten ließ er sich an der Seite des Rechtsaußen-Stadtrates der Meißener CDU in einem T-Shirt fotografieren, auf dem in Frakturschrift der abgewandelte Nazi-Slogan stand: „Kraft durch Freunde“ stand. Wieder ein Wink mit dem Zaunpfahl  in Richtung MDR. Reine Satire, behauptete Steimle und pochte auf die Meinungsfreiheit. Im November dann die nächste Ohrfeige. In einem Interview mit der Thüringer Zeitung, klagte er, der MDR habe ihm mit der Nazi-Keule gedroht. Er sei entsetzt und traurig darüber, dass sich sein Arbeitgeber 2018 nicht schützend vor ihn gestellt hätte.

„Berufsverbot“ für Steimle?

Dabei hatte der MDR am Ende genau das getan. Für den Sender war das Maß damit jetzt voll. In einer Pressmitteilung  erklärte der Sender, Steimle habe öffentlich wiederholt die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seiner Mitarbeiter in Frage gestellt und gegen den Mitarbeiterkodex des MDR verstoßen. Man sehen deshalb keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Die Reaktion ist nachvollziehbar, aber sie kommt zu spät. Denn das bloße Zitat aus der Thüringer Allgemeinen allein rechtfertigt nicht das Aus für „Steimles Welt“. Die unvermittelte Kündigung eröffnet jetzt Raum für Spekulationen. Sie muss als Beleg für das Vorurteil herhalten, der „Staatsfunk“ messe rechte und linke Kabarettisten mit zweierlei Maß. Der MDR spielt damit ausgerechnet jenen Leuten in die Hände, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schon lange abschaffen wollen. „Der MDR verhängt ein Berufsverbot über Uwe Steimle“, twitterte der Berliner AfD-Parteichef Georg Pazderski. „Wer sich nicht Merkel-treu und Altparteien-gerecht verhält, wird abgestraft.“ Und er fügte hinzu: „Mal sehen, wann es Dieter Nuhr trifft.”

Das nennt man wohl ein klassisches Eigentor. Denn natürlich darf einer wie Uwe Steimle nicht als Aushängeschild für den MDR herhalten. Aber zumindest moralisch geht er jetzt als Sieger vom Platz.


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